• E-Auto an der Ladestation

9 Monate mit dem E-Auto zur Arbeit

Habt ihr euch auch schon mal Gedanken darüber gemacht, ob ein E-Auto für euch eine umweltfreundlichere und günstigere Alternative zum Verbrenner wäre? Insbesondere, um es für die täglichen Fahrten zur Arbeit zu nutzen? Mein Lebensgefährte und ich haben es gewagt, entgegen allen Bedenken. Jetzt im März ist dies 9 Monate her. Wir haben diese Entscheidung bis heute nicht bereut.

Vom Totalschaden zum Stromer

Nachdem unser alter Benziner unfallbedingt zum wirtschaftlichen Totalschaden geworden war und wir ein neues Auto brauchten, haben wir uns entschieden: Jetzt wird‘s ein Stromer, den hauptsächlich ich als Zweitwagen für die Stadt nutzen würde, um zur Arbeit zu fahren.

Natürlich mussten wir uns vorab durch einen Neuland-Dschungel an Infos schlagen. Auf dem deutschen Automarkt gibt es bereits eine gewisse Auswahl an E-Fahrzeugen in allen möglichen Preiskategorien von den verschiedensten Herstellern. Auch gab es die Abwägung, ob es ein Fahrzeug mit Batteriemiete werden soll oder nicht. Der Akku ist das Herzstück, wie beim Verbrenner der Motor, und soll natürlich immer schön leistungsfähig sein. Daher ist ein geleaster Akku mit Vertragswartung nicht ganz uninteressant. Schließlich haben wir uns für einen 2 Jahre alten kleinen 4-Sitzer entschieden, da wir doch immer wieder im Vierergespann innerorts unterwegs sind.

Das E-Ei

Unser Auto hat einen mietfreien Akku mit insgesamt 8 Jahren Garantie. Optik: kugelig und weiß, weshalb es bei uns nur noch „das Ei“ heißt, denn irgendwie hat es tatsächlich etwas von einem aerodynamischen, fahrenden Ei. Mit einer Breite von 1,48 m, einer Länge von 3,48 m und einem Wendekreis von 9 m fährt es mit 49 kW (67 PS) maximal 130 km/h und hat eine Reichweite von ca. 100 km – im Sommer sind es eher 115 km, im Winter bei Minusgraden sind es 80 km.

Das Ei ist sehr wendig und beschleunigt schnell (in 15,9 s auf 100 km/h). Wenn es sein muss, kann ich mit unserem kleinen EV (Electric Vehicle) locker den einen oder anderen PS-starken Verbrenner schnell mal abhängen – geht prima mit dem Einstufengetriebe. Ich hatte zuvor darauf nie viel Wert gelegt, aber Spaß macht das schon! Was man nie vergessen darf: Schnelle Beschleunigung braucht viel Strom!

Wenn das Auto fährt, hört man außen nur die Reifengeräusche (ja, man muss wirklich sehr auf Fußgänger und Radfahrer achten), von innen klingt es eher wie die Nürnberger U-Bahn, nur leiser. Ich passe damit in nahezu jede Parklücke und in der Fahrgastzelle ist durch den nicht vorhandenen Motorraum doch mehr Platz, als man von außen vermutet. Der Akku befindet sich dezent unter der Rücksitzbank. Wir sind immerhin schon zu viert mit vier Koffern und vier Handgepäckstücken die relativ kurze Strecke zum Flughafen gefahren.

Was kostet ein E-Auto?

E-Fahrzeuge haben den Ruf, eher teuer zu sein. In der Neuanschaffung liegen sie derzeit preislich höher als Verbrenner, allerdings lockt der Staat zum Kauf mit einer Umweltprämie. Da in Elektroautos viel weniger Verschleißteile verbaut sind, die gewartet bzw. ersetzt werden müssen, kann man sich auch getrost an ein gebrauchtes Modell wagen, welches dann deutlich günstiger zu haben ist.

Unsere Strom-(Tank-)Kosten liegen derzeit bei ca. der Hälfte im Vergleich zu den Verbrenner-Vorgängern (es waren immer Benziner). Bis 2020 zugelassene E-Autos sind während der ersten 10 Jahre steuerfrei. Wir werden danach jährlich 45,– € zahlen. Die Versicherung kostet gleich, egal ob nun Verbrenner oder EV.

Auch als Firmenfahrzeug ist ein EV wohl recht interessant. Gemäß einem Bericht der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) wurden im Jahr 2017 64,4 Prozent aller neu zugelassenen E-Autos als gewerblich genutzt gemeldet. Gerade für Kurzstrecken mit viel Stop-and-go innerorts bringen der günstige Verbrauch und der geringe Verschleiß viele Vorteile. Seit 01. Januar 2019 müssen Arbeitnehmer, die ihren E-Dienstwagen privat nutzen, diesen mit nur 0,5 Prozent statt der sonst geltenden 1 Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern.

Woher kommt der (Treib-)Stoff?

Das wohl gewichtigste Argument, das viele am Kauf eines Elektroautos hindert, ist die immer noch wenig vorhandene Ladeinfrastruktur. Gemäß der Auflistung der Bundesnetzagentur über alle gemeldeten Ladeeinrichtungen vom März 2019 sind es bundesweit immerhin 8143. In Nürnberg und Umgebung werden es immer mehr – es dürfen aus meiner Sicht sehr gerne noch mehr werden.

Auch wenn E-Fahrzeuge emissionsfrei unterwegs sind, muss der Strom dafür erzeugt werden, insbesondere bei steigender Anzahl. Bei der Nutzung von Ladesäulen hat man keinen Einfluss darauf, ob der Strom aus dem Kern- bzw. Kohlekraftwerk kommt oder auf dem Solardach erzeugt wurde – eventuell bleibt die Wahl, wo man das Auto lädt, wenn der Akku noch nicht ganz leer ist. Die Herstellung der Lithium-Ionen-Akkus ist – wie bei jedem mobilen Akku dieser Art – sowohl ethisch wie auch umwelttechnisch mehr als fragwürdig. Es wird zwar an alternativen Entwicklungen geforscht, jedoch würde ich mir viel mehr Unterstützung vonseiten der Politik und der Industrie wünschen, umweltfreundliche Speichertechnologien zu entwickeln und nachhaltig erzeugten Strom besser einspeisen zu können. Immerhin gibt der hier in Nürnberg häufigste Ladesäulenanbieter an, dass der Strom seiner Elektroladesäulen ausschließlich regenerativ erzeugt ist. Ich finde das super.

Wie finde ich eine geeignete Ladesäule für mein E-Auto?

Spannend wird es, wenn man ausschließlich auf öffentliche Ladesäulen angewiesen ist. Wir haben noch keine Lademöglichkeit zu Hause (wird installiert, sobald sich ein Elektriker findet, der es macht), was viel Planung erfordert.

Toll ist natürlich, dass hier am Rennweg/Ludwig-Feuerbach-Straße eine Ladesäule steht, die gerade mal 5 Minuten zu Fuß von FiZ-Media entfernt ist. Nicht toll ist, dass der eine noch freie Ladeplatz (der andere ist für ein Car-Sharing-Unternehmen reserviert) sehr, sehr oft von Verbrennern zugeparkt ist. Ich muss mir dann eine andere Ladesäule suchen, was unnützerweise mit mehr Zeitaufwand und Fußweg verbunden ist, oder es noch einmal in meiner Pause versuchen. Dies finde ich dann richtig ärgerlich, zumal Plätze an der Ladesäule für E-Autos nicht von Verbrennern zugeparkt werden dürfen.

Anfangs mussten wir uns, was das Laden betrifft, ein wenig zurechtfinden, denn es gibt weder einheitliche Ladeanschlusstypen noch Abrechnungsarten. Hilfe zur Orientierung bieten diverse Apps.

Unser Ei ist an der CHAdeMO-Schnellladesäule durchschnittlich in 30 Minuten auf 80 Prozent geladen (ein Schnelllader lädt nie mehr), an der Typ2 Ladesäule dauert es ca. 4 Stunden, bis es voll ist. An der Außen-Schuko-Steckdose zu Hause gibt der Hersteller zwischen 6 bis 11 Stunden an (je nach Ladekabel) – dies ist natürlich ideal zum Nachtladen. Wir konnten es leider noch nicht ausprobieren, freuen uns aber jetzt schon sehr darauf, denn dann kann ich mit einem voll geladenen Auto jeden Morgen in den Tag starten.

Fazit zum E-Auto

Wer ein E-Auto fährt, braucht (noch) eine gute Portion Idealismus. Man muss bereit sein, sich umzustellen sowie die eine oder andere kleine Bequemlichkeit aufzugeben. Statt immer von Tür zu Tür zu gelangen, muss man immer mal wenige Minuten zu Fuß gehen, denn die Ladesäule steht natürlich meist nicht genau da, wo man hinmöchte. In der Innenstadt kennt man dies aufgrund der Parkplatzsituation aber auch mit dem Verbrenner. Man muss in Hinblick auf Reichweite und Lademöglichkeiten in kleineren Fahrt-Zyklen denken. Man sollte einerseits immer einen Plan B haben, denn die Ladesäule kann belegt oder auch kaputt sein. Andererseits kann die Park-Ladezeit meist für sinnvolle Tätigkeiten wie Arbeiten, Einkaufen oder einfach mal einen Kaffee trinken genutzt werden. Es gibt auch immer mehr Supermärkte oder Möbelhäuser, die ihren Kunden kostenlose Lademöglichkeiten bieten – oft sogar Schnellladesäulen. Das ist dann eine Win-win-Situation für beide Seiten.

Wer ein E-Auto fährt, meidet Autobahnen und nimmt eher den wenige Minuten längeren Weg durch die Stadt. Grund hierfür ist, dass viel Energie verbraucht wird, wenn man häufig aufs Gaspedal tritt. Die Fahrweise ist der Schlüssel: Wenn ich in der Stadt auf stehenden Verkehr zufahre, gehe ich einfach vom Gaspedal und kann durch die Motorbremse bei jeder Fahrt 2–5 Reichweitenkilometer rekuperieren. Dies entschleunigt ungemein – ich finde das sehr angenehm. Im Winter braucht die Heizung merklich mehr Strom, im Sommer die Klimaanlage, beides mindert die Reichweite merklich. Abhilfe bringen mir bei Kälte eine verbrauchsarme beheizbare Sitzauflage, bei Hitze offene Fenster.

Wer ein E-Auto fährt, besitzt einen guten Kommunikationstrigger. Oft ernte ich einen lustig gemeinten dummen Spruch wie „Dein Auto ist kaputt – man hört ja gar nix“. Oder ich komme mit neugierigen Passanten ins Gespräch. Was ich besonders bemerkenswert finde: Es sind häufig ältere Leute, die alles Mögliche wissen möchten. Auch entsteht gerne mal ein reger Erfahrungsaustausch bei der „Ladesäulenübergabe“ am Supermarkt mit anderen EV-Fahrern.

Wer ein E-Auto fährt, bekommt viel umweltfreundlicheren Fahrspaß und spart zudem viele Unterhaltskosten. Das Warten an stinkenden Tankstellen fällt komplett weg. In einigen Städten gibt es für sonst gesperrte Wege Sonderregelungen, denn Lärmbelästigung und Emissionen gibt’s beim Stromer nicht.

Blick in die Zukunft

DEN ökologischen Fußabdruck hinterlassen wir bislang leider auch nicht mit E-Fahrzeugen. Aber ich bin überzeugt davon, dass es ein Schritt in die richtige Richtung ist, kommenden Generationen einen lebenswerten Planeten Erde zu hinterlassen. Es gibt viele Möglichkeiten. Wir als Verbraucher bestimmen den Markt und müssen diese Möglichkeiten so gut es geht mit unserer Kaufkraft unterstützen.

Für unsere Zwecke ist unser E-Auto genau das Richtige. Wir sind begeistert und wollen es nicht mehr missen!

Dieser Beitrag wurde von Sabine verfasst.