• Farbkontainer mit Druckfarbe CMYK Papierrolle

Digital- vs. Retro-Druckprodukt

Alles fing mit der Brieftaube an:

Ein kleines Stück Papier mit Informationen wurde an die Füße einer Taube gebunden, deren Ankunftszeit war jedoch mehr als ungewiss. Heute sieht die Informationsübermittlung ganz anders aus: Ein paar Sekunden nach der Eingabe auf Handy, Tablet und Co. geschaut, und schon hat man alle News und aktuellen Angebote. Online findet man mittlerweile alles stets abrufbar, selbst Prospekte oder Zeitungsartikel.

Doch hebt man den Blick ab und an mal von seinem Smartphone, kann man feststellen, dass es durchaus noch einige Druckprodukte gibt. So sind beispielsweise in Supermärkten am Ausgang Prospektaufsteller zu finden oder aktuelle Kataloge zum Mitnehmen ausgelegt.

Ja, wir als angehende Mediengestalter sollten uns im Bereich Digital und Print auch für den Print-Bereich aussprechen. Dementsprechend durften wir die Druckerei KonradinHeckel in Nürnberg besuchen, um die Produktion so mancher Printprodukte im Offsetdruck, wie vor allem Prospekte oder Beilagenheftchen, mal genauer anzuschauen.

Offsetdruck – was ist das?

Der Offsetdruck ist ein sogenanntes Flachdruckverfahren, welches hauptsächlich für Werbe-, Zeitungs-, Bücher- und Verpackungsdruck angewendet wird. Die Besonderheit hierbei ist, dass die Druckplatte und der Bedruckstoff nicht aufeinandertreffen.
Der Gummituchzylinder ist Verbindungsobjekt zwischen Druckplatte und Bedruckstoff, welcher letztendlich den Inhalt des Druckträgers abbildet.

Wie läuft dieser Prozess ab?

Zuerst kommen die Produkte vom Hersteller in digitaler Form in die Druckerei und werden in der Druckvorstufe noch mal auf Richtigkeit geprüft. Wenn das letzte „OK“ in digitaler Ausführung gegeben wurde, geht es dann ab in den Belichtungsraum.

In Belichtungsanlagen werden die Druckseiten auf die passende Druckplatte übertragen, wobei auf einer Druckplatte unterschiedlich viele Seiten abgelichtet werden können. Diese Maschinen nehmen mit ihrer Länge einen Raum von mindestens 15 Metern in Anspruch.

Danach startet der Druckprozess:

Nach dem Einspannen der Druckplatten und der Papierrollen in die Druckmaschine werden die Seiten von dunkel nach hell gedruckt. Für jede Farbe gibt es eine Druckplatte, welche je einen Abzug zuerst in Schwarz, dann in Cyan, Magenta und Gelb auf die Druckbögen druckt.

Wenn das Papier durch alle Farben durchgelaufen ist, geht es anschließend zum Schneiden und Falzen. Auf dem Weg dahin hat jeder Druckbogen eine Sekunde Zeit, um ausreichend zu trocknen, sodass die Seiten nicht aufeinander kleben. Zuerst werden die Bögen geschnitten und dann in rasanter Geschwindigkeit gefalzt.

Die fertigen Zeitschriften, Kataloge oder Beilagenheftchen werden bis zur Packstation auf einem Fließband transportiert und in Päckchen auf einer Palette abgelegt. Somit sind sie fast am Ende ihrer Produktionsreise angelangt und bereit für den Transport.

Papierlauf Falzung Prospekt

Prospekttransport auf Fließband

Die letzten Schritte:

Bevor die Druckerzeugnisse ausgeliefert werden, findet noch eine letzte Kontrolle statt. Dabei wird ein fertig gedrucktes Exemplar unter dem Normlicht D50, welches ein künstlich erzeugtes tageslichtähnliches Licht ist, genau abgeglichen. Hierbei wird geprüft, ob sowohl alle Farben wie vom Kunden gewünscht gedruckt wurden, sowie die Falzung und alle Elemente die richtige Position haben.

Was bei der Produktion auf jeden Fall mitberechnet werden muss, ist die Makulatur (Verschleiß). Bis die Druckmaschinen richtig Farbe aufgenommen haben, oder beim Wechsel der Papierrollen, das Papier vollkommen richtig angelaufen ist, entstehen so einige Druckbögen, die man nicht verwenden kann. Aus diesen fehlerhaften Bögen entsteht Altpapier, welches einen wichtigen Rohstoff für die Herstellung von Recyclingpapier darstellt.

Belichtungstisch unter Normlicht D50

Fazit:

Der Ausflug in die Druckerei war vor allem auch für uns Azubis sehr interessant und eine perfekte Ergänzung zur Theorie in der Schule. Ein voller Weiterbildungserfolg also. Und wir stellten mal wieder fest, dass etwas in der Praxis zu erfahren, erfassen und zu greifen doch mehr im Kopf hängen bleibt, als nur die reine Theorie zu lernen.

Bei allen FiZzies hat das Thema Print vs. Digital für einigen Gesprächsstoff gesorgt. Festgestellt wurde, dass die Meinungen hier auseinanderlaufen und jeder auch am Arbeitsplatz seine Vorliebe hat. Und mal ehrlich, wer blättert nicht gerne durch einen Katalog oder einen Angebotsprospekt.

In diesem Sinne vielen Dank unserer lieben Kollegin, die uns diesen Besuch ermöglicht hat, und dem Geschäftsführer, Herrn Lutzeier, für die ausführliche und sympathische Führung.