Historische Druckwerkstatt im Museum Industriekultur in Nürnberg

Mit der Zeitmaschine ein paar Jahrzehnte zurück
Doch Moment mal – so lange ist das alles doch noch gar nicht her!
Erstaunlich, wie schnell sich Technik heutzutage entwickelt.

Wir durften am 24. November eine kleine Reise in die Bereiche des Handsatzes, Maschinensatzes und Buchdrucks antreten. Im Nürnberger Museum Industriekultur bekamen wir von erfahrenen Setzern und Druckern eine äußerst interessante Führung durch die Druckwerkstatt. Man merkte sofort, dass sie für ihren früheren Job noch immer brennen, da sie uns mit großem Enthusiasmus kurzzeitig in ihre Welt entführten.

Gestrandet sind wir erst mal im 15. Jahrhundert bei Johannes Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Bücher waren zu dieser Zeit sehr wertvoll, da Wissen einen gewissen Grad an Macht darstellte. Es gab nicht umsonst genug Kriege, Streitigkeiten und Auseinandersetzungen deswegen. Was uns in diesem Zusammenhang auch wärmstens ans Herz gelegt wurde, oder jedem, der sich dafür interessiert, ist das Mainzer Gutenberg-Museum. Dort gibt es originale Gutenberg-Bibeln aus dem 15. Jahrhundert zu betrachten, können eine rekonstruierte Gutenberg-Werkstatt betreten, verschiedenste Druckpressen bewundert werden und vieles mehr.

Aber zurück zu unserem Besuch:
Sehr interessant wurde es dann, als uns drei Arbeitsstationen direkt erklärt wurden. Ja, wenn man etwas greifen kann, wortwörtlich anfassen und fühlen kann, ist es doch etwas leichter mit der Vorstellungskraft.

Der Handsatz

Vor uns steht eine lange Werkbank, auf der mehrere Holzkästen liegen, sogenannte Setzkästen. Es sind Setzkästen mit jeweils 125 unterschiedlich großen Fächern. In diesen 125 Fächern liegen die
Bleibuchstaben, mit denen dann die Druckzeilen per Hand gesetzt werden. Dafür benötigte man allerdings noch einiges mehr an Werkzeugen. Winkelhaken, Setzlinien oder Setzschiffe waren definitiv keine Fremdwörter für die Bleisetzer. Einer der Herren führte uns das ganze Verfahren einmal vor.

Wir staunten alle nicht schlecht, als er anfing und mit einer rasanten Geschwindigkeit die Bleibuchstaben blind aus dem Kasten holte. Das bedarf eines sehr feinen und sauberen Arbeitens, denn das blinde Auswählen der Buchstaben funktioniert nur, wenn die Buchstaben nach Gebrauch auch wieder im richtigen Fach abgelegt werden. 1200 bis 1500 Buchstaben setzte ein guter Schriftsetzer damals pro Stunde.

Nicht schlecht, oder? Übrigens wurden die Buchstaben „über Kopf“ in den Winkelhaken gelegt, sodass das „Falsch-herum-Lesen“ für die Bleisetzer irgendwann zur Normalität wurde. Ein echtes Handwerk also. Die Technik dahinter und das Herausnehmen der Buchstaben ist den Männern definitiv in Fleisch und Blut übergegangen.

Der Maschinensatz

Diesmal sehen wir vor uns eine Linotype-Setzmaschine. Das war für die meisten von uns wohl das Interessanteste und Beeindruckendste an diesem Tag. An dieser Maschine sitzt der Schriftsetzer unten auf einem Stuhl und tippt schreibmaschinenähnlich seine Druckzeile. Mit jedem Tippen fällt von oben eine sogenannte Matrize herab, welche die Gussform für einen Buchstaben darstellt. Zwischen die Matrizen wurden weitere Keile eingeschoben, welche als variable Leerzeichen dienten, aber natürlich nicht mitgedruckt wurden.

Ihre Aufgabe war es lediglich, die Matrizen so auseinander zu drücken, dass zwischen den einzelnen Wörter auch Abstände vorhanden waren. So entsteht nach und nach eine Druckzeile, welche dann mit flüssigem Metall, hauptsächlich mit Blei, gegossen wird. In den heißen Sommermonaten war dieses Verfahren doch auch immer wieder eine gefährliche Angelegenheit. Die Arbeiter, die kurze Hosen trugen, haben sich regelmäßig ihre Beine am heißen Blei verbrannt.

Super spannend war dann der Vorgang, als die Matrizen zurück in ihre Kanäle befördert wurden. Wie mit einem kleinen Aufzug wurden sie nach oben gefahren und dann einzeln durch Zahn-Codierungen wieder zurück an ihren Platz geschubst. Die Herren erzählten, dass es Musik in den Ohren war, wenn einige Maschinen nebeneinanderstanden und die Matrizen zurückgeschubst wurden. Hier standen wir ganz schön lange und bestaunten den ganzen Vorgang mit offenen Mündern.

Der Andruck – Korrekturabzug

Bevor es dann aber wirklich ans Drucken ging, wurde die Druckvorlage zuerst im Andruck geprüft. Da es sehr vieler Schritte und Handgriffe bedarf und eine Menge Zeit kostete, konnte man es sich nicht leisten, einen fehlerhaften Drucksatz in der Druckmaschine zu drucken. Deswegen wurde beim Andruck – auch Korrekturabzug genannt – ein Abzug gemacht und überprüft, ob der Druck sauber ist. Dazu zählten natürlich Satzfehler, unpassende Abstände, unterschiedliche Schriftarten oder beschädigte Buchstaben, die keinen sauberen Druck mehr ermöglichten. Bei Fehlern wurde dann mit einer Pinzette alles Fehlerhafte ausgetauscht. Es war wohl immer ein Highlight, wenn ein ganz frischer, neuer Buchstabe herausgeholt und benutzt werden durfte. 

Der Buchdruck

Beim Buchdruck selbst war noch mal sehr viel Fingerspitzengefühl erforderlich und ein gutes, geschultes Auge. Der Drucker musste sich in seiner Materie und mit seinen Materialien sehr gut auskennen. Ihm unterlagen Aufgaben wie beispielsweise Farbmischung oder der richtige Farbauftrag, das Papier durfte natürlich keinen Spritzer Farbe oder Dreck aufnehmen, geschweige denn ein Eselsohr haben. Also war auch hier die Sorgfalt und Feinheit mit eines der obersten Gebote.

In der Druckmaschine wurde allerdings nicht nur gedruckt. Auch damals gab es schon Techniken, um zu stanzen oder zu prägen. Der „Heidelberger Tiegel“ ist eine der bekanntesten Tiegeldruckpressen und mit seiner Vielfalt und seinem Klang auch wieder eine ganz besondere und eigene Erfindung.


Wenn man jetzt bedenkt, dass diese genannten Verfahren vor 30 Jahren noch genau so angewendet wurden, ist es wirklich erstaunlich zu sehen, in welch kurzer Zeit sich die Technik entwickelte. Mittlerweile sitzt jeder vor seinem Rechner und tippt in seine Tastatur. Bei einem Tippfehler drückt man kurz die „Löschtaste“ und weg ist der Fehler. Ein Klick und ein paar Sekunden später erscheint der Druck im Druckauslauf. Kaum vorzustellen, wie viel Zeit der Druck damals noch in Anspruch genommen hat. Aber es war eben ein Handwerk mit vielen einzelnen Schritten, so einigen Handgriffen, unterschiedlichen Stationen und einer Leidenschaft, wie sie uns die drei Setzer gezeigt haben. 

Vor allem für unsere jüngeren Kolleginnen und Kollegen waren die Phänomene Handsatz, Maschinensatz, Buchdruck, die diese ja nur aus der Theorie kennen, doch sehr schwer vorstellbar. Dementsprechend vielen Dank den drei lieben Herren, die die Führung so super gestaltet und uns alles ausführlich erklärt haben, und natürlich unseren Chefs, die uns diesen Besuch erst ermöglicht haben.